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Preisschild an Kleiderständer.
©unsplash/Markus Spiske

Fast Fashion: Die Auswirkungen der Modeindustrie auf Mensch und Umwelt

Fast Fashion steht für eine Modeindustrie, die kurzlebige Kleidung zu günstigsten Preisen produziert. Diese wird oft nur wenige Male getragen, bevor sie in den Tiefen des Kleiderschranks verschwindet oder entsorgt wird. Trotz des Überflusses an Kleidung bringen große Modelabel wie H&M und Zara bis zu 24 Kollektionen im Jahr auf den Markt. Dieser Kreislauf der ständigen Produktion und Entsorgung prägt maßgeblich auch Mensch und Umwelt. Wir haben die sozialen und ökologischen Auswirkungen genauer betrachtet und für dich zusammengefasst.

Kurzlebige Modetrends von heute füllen Mülltonnen von morgen

Auf den internationalen Laufstegen werden uns regelmäßig neue Stile präsentiert, die kurz darauf nicht nur in Designergeschäften, sondern auch im herkömmlichen Einzelhandel zu finden sind. Diese Kleidungsstücke sind keine exakten Designerkopien, sondern abgewandelte und günstiger produzierte Entwürfe, die begehrte Trends nachempfinden. Diese Trends sind heute allerdings so kurzlebig wie nie und meist schon nach wenigen Wochen nicht mehr angesagt. Aus diesem Grund produzieren Marken immer mehr Kollektionen. So hat sich die weltweite Textilproduktion seit dem Jahr 2000 verdoppelt. Wir Deutschen kaufen im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr – das ist mehr als ein Teil pro Woche. Getragen wird jedes Stück dabei nur halb so lange wie vor 15 Jahren. Ein Großteil der gekauften Kleidung bleibt sogar völlig ungetragen. Wie eine Studie herausfand, nutzen wir tatsächlich nur 32 % der Kleidung in unserem Kleiderschrank. Spätestens nach viermaligem Tragen wird ein Kleidungsstück im Schnitt aussortiert. Als Folge entstehen immense Textil-Müllberge, deren Entsorgung eine zunehmende Herausforderung darstellt. Insbesondere vor dem Hintergrund dieser Kurzlebigkeit ist es wichtig, die Produktionsbedingungen zu betrachten, denn die Herstellung findet meist in Entwicklungsländern statt – mit weitreichenden Folgen auf verschiedene Bereiche.

Person schiebt Wagen voll mit weißem Stoff.
©istock/GCShutter

Soziale Perspektive: Wer produziert die schnelle Mode?

Weltweit arbeiten rund 60 Millionen Menschen in der Bekleidungsindustrie. Etwa 90 % unserer Kleidung stammt aus nichteuropäischen Ländern wie China, der Türkei und Bangladesch, wo sie meist unter schlechten Bedingungen hergestellt wird. Wie schlecht diese Bedingungen sind, wissen vielen Konsument*innen oft nicht. Nichtsdestotrotz trägt der Konsum von günstiger Fast-Fashion dazu bei, diesen Status Quo zu erhalten. Denn die Fertigungszeiten für Kollektionen werden immer kürzer, Lieferfristen knapper. Arbeiter*innen müssen unter enormem Zeit- und Leistungsdruck für sehr niedrigen Lohn immer mehr schaffen, häufig im Rahmen von Überstunden.

Viele der Fabriken befinden sich dabei in desaströsen Zuständen und entsprechen nicht den Standards moderner Arbeitsplätze. Auf tragische Weise wurde uns das 2013 mit dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch gezeigt, bei dem über tausend Arbeiter*innen starben. Zwar wurden Sicherheitsstandards seitens der Politik und diverser Initiativen wie Faitrade seither erhöht, sie werden in vielen Betrieben jedoch nach wie vor nicht eingehalten. Günstig produzierte Kleidung hat ihren Preis und geht auf Kosten der Produktionsstätten und einer damit verbundenen Arbeitssicherheit, der Löhne und der Absicherungen der Arbeiter*innen. Denn neben sauberem Trinkwasser fehlt es häufig auch an Schutz vor der Arbeit mit giftigen Chemikalien und Färbemitteln. Das kann enorme gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Ein neues Lieferkettengesetz soll dem entgegenwirken und ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Demnach können Produkte, die unter schlechten Arbeitsbedingungen in den Lieferländern hergestellt wurden, bei uns nicht mehr gehandelt werden. Allerdings weist das Gesetz Schwachstellen auf und vernachlässigt viele ökologische Aspekte.

Ökologische Perspektive: Was passiert mit der Umwelt?

34 % der Treibhausgasemissionen werden durch unseren Konsum verursacht. Insbesondere in der Modewelt lässt sich einiges tun, denn die Textilindustrie verantwortet eine enorme Umweltbelastung. Dabei verursachen vor allem der Anbau und die Produktion der Rohfasern sowie die Textilveredelung hohe Schäden. Die Verwendung von fossilen Rohstoffen wie Erdöl zur Herstellung synthetischer Stoffe, der Einsatz von Pestiziden und giftigen Düngern (z. B. zur Gewinnung von Baumwolle), Kohlekraftwerke mit hohen CO2-Emissionen als Energielieferanten der Fabriken, lange Lieferwege aus den entfernten Produktionsländern: All das hat negative Auswirkungen auf die Umwelt. Mehr als 70 gesundheits- und umweltgefährdende Chemikalien werden in der Textilherstellung eingesetzt, ein großer Teil davon gelangt in die Gewässer. Für die Herstellung von Textilien werden außerdem enorme Wassermengen benötigt. So verbraucht die Herstellung eines T-Shirts beispielsweise 2.700 l Wasser– das entspricht etwa der Menge an Trinkwasser, die eine Person für 2,5 Jahre versorgt.

Viele versuchen bereits beim Kauf ihrer Kleidung, auf Nachhaltigkeit zu achten. Doch intransparente Lieferketten stehen der Umsetzung häufig im Weg. Denn bei Einzelteilen wie Garn oder Knöpfen lässt sich der Herkunftsweg oft nicht nachvollziehen; ob und wie nachhaltig sie produziert wurden ist für Käufer*innen nicht ersichtlich. Verschiedene Initiativen versuchen hier mit Umwelt-Zertifizierungen für mehr Transparenz zu sorgen und können dir beim Kauf als Orientierung dienen.

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