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In-vitro-Fleisch: Ist Fleisch aus dem Labor die Ernährung der Zukunft?

Laborfleisch, künstlich hergestellt aus Stammzellen und im Glas angezüchtet (in vitro): Was einst unmöglich schien, könnte schon bald eine echte Fleischalternative sein. Denn die Wissenschaft schreitet hier stetig voran und verspricht schon in den nächsten Jahren bahnbrechende Lösungen für Klima und Ressourcen.

Wie wird Laborfleisch hergestellt?

Bei in-vitro-Fleisch handelt es sich um künstlich hergestelltes Fleisch, das im Labor aus tierischen Stammzellen gezüchtet wird. Dafür werden dem Tier unter Betäubung Stammzellen entnommen. In einer Nährlösung wachsen diese dann zu unterschiedlichen Zelltypen heran. Die Nährlösung wird meist aus dem Blut ungeborener Kälber gewonnen, denn damit die Stammzellen zu Fleisch werden können, benötigen sie ein komplexes Gemisch aus Nährstoffen, Fetten, Proteinen und Hormonen. Eine Stammzelle kann sich theoretisch unendlich oft teilen und könnte somit der weltweiten Ressourcenknappheit entgegenwirken.

Noch ist Kunstfleisch keine Fleischalternative

Auch wenn sich bereits zahlreiche Unternehmen der Herstellung von Fleischersatz widmen: Massentauglich ist das Fleisch aus dem Labor noch nicht. So ist das Laborfleisch als Rarität in der Herstellung teuer. Während der erste Kunstfleisch-Burger 2013 noch stolze 250.000 € kostete, sollen die Preise bereits in den nächsten Jahren im Schnitt bei 9 € liegen und mit steigender Nachfrage weiter sinken. Die Chancen dafür stehen gut: Kürzlich wurde Laborfleisch erstmals auf dem Markt zugelassen. Seit 2020 verkauft das US-Unternehmen Eat Just sein künstliches Hähnchenfleisch als Chicken Bites in einem Restaurant in Singapur. Es scheint also nur eine Frage der Zeit, bis das Laborfleisch auch bei uns angekommen ist. So sagt auch eine Studie voraus, dass im Jahr 2040 ein Großteil des konsumierten Fleisches nicht mehr von toten Tieren stammen wird.

Wie klimafreundlich ist Fleisch aus dem Labor?

In-vitro-Fleisch hat viele Vorteile: Es müssen keine Tiere für den Fleischkonsum leiden oder sterben und ohne Massentierhaltung könnten CO2-Emissionen drastisch reduziert werden. Auch ließen sich auf diese Weise Ressourcen wie Wasser, landwirtschaftliche Fläche und Tiernahrung sparen. Diese Vorteile treten aber nur dann ein, wenn man bei der Herstellung des Kunstfleisches – abgesehen von der Stammzelle – vollkommen auf Tiere verzichten würde. Derzeit werden die Stammzellen jedoch vor allem mit tierischen Seren angereichert. Dem Problem der Massentierhaltung würde so also bislang noch nicht begegnet. Allerdings wird auch hier vehement an veganen Lösungen mit pflanzlichen Seren gearbeitet. Dem Pionier-Start-Up Mosa Meat gelang es nach eigenen Angaben bereits vollständig auf tierische Seren zu verzichten. Doch wie nachhaltig ist die Produktion aktuell? Die relativ geringe Menge an produziertem Kunstfleisch verbraucht derzeit viel Energie und verursacht somit hohe Emissionen. Den Herstellern zufolge wird sich dies mit zunehmender Akzeptanz jedoch ändern, was das künstliche Fleisch langfristig zu einer nachhaltigen Alternative machen könnte. Das prognostizierte übrigens auch eine Studie der American Chemical Society bereits vor 10 Jahren.

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