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Eukalyptuszweig liegt auf einer weißen Bluse, dahinter liegt eine Jeans.
©Pexels: Vie Studio

Lyocell: Nachhaltiger Stoff für umweltfreundliche Kleidung

Atmungsaktiv, langlebig und angenehm zu tragen: Auf der Suche nach nachhaltigen Stoffen scheint die Modeindustrie mit Lyocell einen Treffer gelandet zu haben. Die sogenannte Zellulose-Faser, die auch unter dem Begriff Tencel™ bekannt wurde, ist vielseitig einsetzbar und noch dazu biologisch abbaubar. Doch kann die nachhaltige Wunderfaser halten, was sie verspricht? Wir gehen der Sache auf den Grund.  

Lyocell als umweltfreundliche Alternative zu Viskose

Bereits seit einigen Jahren haben sich Fasern aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz in der Modeindustrie als umweltfreundliche Alternative zu Baumwolle und synthetischen Fasern auf Erdöl-Basis etabliert. Die wohl bekannteste unter ihnen: Viskose. Zwar kommt bei der Produktion von Viskose kein Erdöl zum Einsatz, allerdings wird für ihre Herstellung Zellulose mithilfe verschiedener, zum Teil giftiger Chemikalien aus Holz gelöst und in einem aufwendigen Verfahren zu Stoff verarbeitet. Das bedeutet: Ohne Chemie keine Viskose. Genau hier kommt Lyocell ins Spiel. Auch die Lyocellfaser wird aus Holz gewonnen, jedoch unter umweltschonenden Bedingungen verarbeitet.

Eukalyptusbäume
©Pexels: Lachlan

Wie nachhaltig ist Kleidung aus Lyocell?

Hergestellt wird Lyocell meist aus dem Zellstoff von Eukalyptusholz. Eukalyptusbäume wachsen nicht nur besonders schnell, sondern kommen im Gegensatz zu konventionell angebauter Baumwolle auch ohne künstliche Bewässerung und Pestizide aus. So wird für die Herstellung von Lyocell nur ein Bruchteil der Wassermenge verbraucht, die für den Baumwollanbau notwendig ist – egal, ob konventionelle oder Bio-Baumwolle. Hinzu kommt, dass der Zellstoff mit einem rein organischen, umweltverträglichen Lösungsmittel gelöst werden kann. Im Vergleich zu den komplexen chemischen Herstellungsprozessen von Viskose und Modal, die ebenfalls reine Zellulose-Fasern sind, eine besonders nachhaltige Methode.

Was ist der Unterschied zwischen Lyocell und Tencel™?

Seine wachsende Beliebtheit verdankt Lyocell nicht zuletzt auch der österreichischen Firma Lenzing, die ein hochmodernes Produktionsverfahren entwickelt hat, bei dem mehr als 99 % des eingesetzten Lösungsmittels wiederverwendet werden können. Für diesen geschlossenen Produktionskreislauf wurde das Unternehmen im Jahr 2000 sogar mit dem Europäischen Umweltpreis ausgezeichnet. Da her rühren auch die beiden, oft synonym-verwendeten Begriffe Lyocell und Tencel™. So ist Tencel™ nichts anderes als der Markenname, den die Firma Lenzing für den Faserstoff Lyocell verwendet.

Herstellerangaben zufolge sind alle Substanzen, die für die Produktion von Tencel™ verwendet werden, biologisch abbaubar. Würde man ein Kleidungsstück aus reinem Lyocell-Stoff auf den Kompost werfen, könne es ohne schädliche Rückstände zerfallen. On top stammen das Holz und der Zellstoff, den das Unternehmen verwendet, eigenen Angaben zufolge aus nachhaltig bewirtschafteten Plantagen, die mit den Holzsiegeln FSC oder PEFC zertifiziert sind.

Fazit: Aus ökologischer Sicht hat Lyocell einiges zu bieten. Zurecht hat sich die umweltfreundliche Lyocellfaser in der Fair-Fashion-Szene einen Namen gemacht. Um das Klima zu retten, reicht eine nachhaltige Faser jedoch leider nicht aus. Denn es ist die Vielzahl an Kleidung, die der Umwelt schadet. Konsumieren wir weiterhin so viel Kleidung wie bisher, könnte die Modeindustrie Greenpeace zufolge im Jahr 2050 schon 26 % der globalen CO2-Emissionen ausmachen. Möchtest du Klima und Umwelt schützen, achte daher am besten nicht nur darauf, umweltschädliche Stoffe zu vermeiden, sondern wähle deine Kleidungsstücke auch mit Bedacht und erfreue dich möglichst lange an ihnen.

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