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Das The Wearness Team.
© the wearness / Team

Wie steht's um den Konsum von Mode? Ein Interview mit the wearness

Wir haben mit Karolin Helou von the wearness zum Thema Konsum in der Mode gesprochen. Karolin ist als ehemalige Moderedakteurin der Zeitschrift Madame schon lange im Mode-Business unterwegs und kennt sich bestens aus. Sie ist zudem Mitgründering von the wearness, einem Online-Marktplatz für nachhaltigen Luxus, spezialisiert auf Mode, Schmuck, Accessoires und Beauty für Frauen und Männer. the wearness hat es sich zum Ziel gemacht, das Image von nachhaltiger, fairer und lokal produzierter Mode durch eine sorgfältig kuratierte Produktauswahl zu verändern.

Frau blickt über die Schulter.
© the wearness/Liapure

LENA: Der Nachhaltigkeitsmarkt und das Angebot an nachhaltigen Marken wächst gerade in rasantem Tempo. Ihr seid ein Online-Shop für Ethical Luxury und besetzt damit eine Nische wie es sie vorher nicht gab. Wie seid ihr auf die Idee gekommen und wann kam der Entschluss zu gründen? 

Karolin Helou: Julia, Jennifer und ich waren sehr lange als Fashion Editor/Fashion Director bei unterschiedlichen Magazinen tätig. Immer wieder wurden wir nach nachhaltiger Mode gefragt, die nicht ökig aussieht. Und haben selber jedes Mal lange recherchiert. So kamen wir auf die Idee, eine Platform dafür zu entwickeln, die schöne Mode anbietet und man gleichzeitig genau sehen kann, welche Marke in wie weit nachhaltig ist. Guya ist Botschafterin für mehr Fairness in der Schmuckindustrie.

LENA: Durch eure langjährige Erfahrung in der Branche habt ihr auch die verschiedenen Seiten des Businesses kennengelernt. Abgesehen von dem hohen Rechercheaufwand um nachhaltige Mode zu finden die nicht ökig aussieht, erinnert ihr euch an einen bestimmten Moment oder ein Erlebnis, das euch zum Umdenken gebracht hat?

Karolin Helou: Das war ein schleichender Prozess über Jahre. Letztendlich war es uns wichtig das Schöne an der Mode zu wahren. Jeder von uns kennt das besondere Gefühl, sich mit schönen Dingen zu kleiden. Tolle Materialien, schöne Farben, besonderes Handwerk. Und diese Werte wollen wir mit the wearness aufrecht erhalten.

LENA: In einer Studie zu nachhaltigem Konsum wird der Preis und die Langlebigkeit eines Kleidungsstücks als wichtigste Kaufkriterien der Konsument*innen genannt. Allerdings geht die Qualität eines als "preiswert" empfundenen Produkes meist nicht mit dessen Langlebigkeit einher. Wie erklärt ihr euch, dass diese beiden Kriterien dennoch zusammen genannt werden?

Karolin Helou: Der Preis muss nicht umbedingt im direkten Zusammenhang mit der Qualität stehen. Deshalb ist es besonders wichtig auf Siegel zu achten und genau hinzuschauen, was man kauft. Wir haben tolle Labels im Portfolio, die durchaus auch zu fairen Preisen unsere Standards erfüllen.

LENA: "Faire Preise" - ist ein sehr guter Punkt. Denn durch das große Angebot an günstiger Bekleidung wissen viele Konsument*innen nicht, was qualitative Kleidungsstücke eigentlich kosten sollten. Wie kann man aufklären?

Karolin Helou: Einige Brands machen das schon vor. Mit einer transparenten Preispolitik. Sie schlüsselnd den Preis zu einen Produkt auf in: Materialkosten ( Textilien und Accessoires sowie Reissverschlüsse, Knöpfe, …), Produktionskosten, Logistik, Verpackung, Marketing, Verkaufspreis. Um so den Warenwert transparent zu machen.

LENA: Ihr wollt mit the wearness gegen das nach wie vor bestehende Öko-Image von fair produzierter Kleidung vorgehen. Wie glaubt ihr lässt sich dieses Stigma abwenden?

Karolin Helou: Auch modisch interessierte Menschen, suchen nach nachhaltigen oder fair produzierten Kollektionen. Und die finden sie bei uns.Wir suchen gezielt nach Kollektionen, die unseren modischen Ansprüchen und gleichzeitig den nachhaltigen Kriterien gerecht werden. Und kuratieren die Auswahl passend für unseren Shop. So kann man sehr schön sehen, dass es bereits sehr viele nachhaltige Kollektionen, gibt die modisch orientiert sind oder umgekehrt, modische Kollektionen, die auch in punkto Nachhaltigkeit umdenken.

Webseite von the wearness mit Kleid.

LENA: Die immer weiterwachsende Influencer-Blase trägt zum verstärkten Konsum, insbesondere im Fast- Fashion-Markt, bei. Sie bietet aber auch die ideale Plattform für nachhaltige Marken. Wie wandert man auf dem schmalen Grat zwischen Produktwerbung und dem Appell, nachhaltiger zu konsumieren?

Karolin Helou: Gerade Influencer die für Nachhaltigkeit stehen sind ein gutes Beispiel, wie man diesen Lebensstil lebt, ohne die Freude daran zu verlieren. Konsum ist nicht gleich Konsum und kann durchaus auch nachhaltig gelebt werden.

LENA: Was glaubt ihr – hat Social Media den Konsum mehr gestärkt oder der Konsum Social Media?

Karolin Helou: Social Media ist eine weitere Form, den/ die Konsumenten/ innen erreichen. Ob es den Konsum an sich beeinflusst hat, kann ich nicht beurteilen. Jedoch ist dadurch alles schneller und direkter geworden.

LENA: Wenn wir bei digitalen Angeboten sind – wie wirkt sich eurer Meinung nach der wachsende Marktanteil des Online- Handels auf den Konsum nachhaltiger Bekleidung aus?

Karolin Helou: Positiv. Designer können ihr Ware online direkt in eigenen Shops oder Marketplaces wie unserem 
verkaufen, und so eher mit den Marktpreisen konkurrieren, da der Einzelhändleraufschlag so wegfällt. Auch bei der Ökobilanz fällt der Onlinehandel in den Studien besser aus. Jedoch sollte man einen nachhaltigen Zulieferer wählen ( z.Bsp. DHL Green ) , Standardversand statt Expressversand und eine Ablageort wählen, damit der Zulieferer nicht mehrfach anfahren muss. Auch die Verpackung ist ein wichtiger Punkt.

LENA: Ihr wählt jedes Produkt, das auf the wearness gelistet ist, selbst aus. Euch ist wichtig, dass die Stücke nicht nur nachhaltig, sondern auch schön und tragbar sind. Wie geht ihr bei der Auswahl vor?

Karolin Helou: Wir suchen gezielt nach Kollektionen, die unseren modischen Ansprüchen und nachhaltigen Kriterien gerecht werden. Erstmal schauen wir auf die Nachhaltigkeit. Dafür haben wir einen Fragebogen enwickelt, in dem wir alle Bereiche vor einer Zusammenarbeit von den Brands abfragen. Für die einzelnen Bereiche haben wir Icons entwickelt, die wir jedem Kleidungsstück zuteilen und so für den Käufer einfach ersichtlich sind: Charitable, Eco-Friendly, Fair, Organic, Vegan, Handcrafted, Made in Europe, Recycled, Female Empowerment, Zero Waste.

LENA: Habt ihr uns zum Schluss vielleicht noch ein paar konkrete Tipps, wie Modekonsum im Allgemeinen nachhaltiger gestaltet werden kann?

Karolin Helou:

  • Lieber in Lieblingsteile investieren statt mehre Sachen billiger zu kaufen
  • Gezielt bei Brands kaufen, von denen ihr wisst, wie und wo sie produzieren
  • Auch bedenken, was mit dem Teil passiert, wenn ihr es nicht mehr wollt. Ist es von guter Qualität und langlebig, sodass es auch Second Hand noch eine Chance hat?
  • Reparieren statt Wegwerfen

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