Person hält viele kaputte Smartphones in der Hand.

Smartphone recyceln – das Problem mit den Seltenen Erden

Neue Kamera, größerer Screen, schnellere Leistung – Technologiekonzerne bringen beinahe jährlich neue Smartphones auf den Markt. Die Nachfrage bestätigt diesen rapiden Produktzyklus: Gutes Marketing seitens der Hersteller als auch günstige Tarife der Vertriebspartner feuern das Geschäft zusätzlich an. Natürlich steckt in den Geräten eine Unmenge an herausragender Technologie und immer neuen Features, die sich Tech-Fans nicht entgehen lassen wollen. Doch eine Frage bleibt meist offen: Womit werden die vielen Smartphones hergestellt und was passiert mit den alten Geräten?

Große Ziele für große Hersteller

Der amerikanische Technologiekonzern Apple hat sich zum Ziel gesetzt, seine Produkte zukünftig in einem geschlossenen Kreislauf produzieren zu lassen. Der Konzern will nur noch recycelte Materialien verwenden und nimmt sich damit ein Beispiel an Anbietern wie Fairphone, die bereits auf ressourcenschonende Smartphones setzen. Das Problem beim Recyceln von Smartphones besteht allerdings darin, aus den zerlegten Geräten die teilweise in sehr kleinen Mengen vorhandenen Bestandteile wiederzugewinnen. Doch gerade große Hersteller sollten über die finanziellen Mittel und die Infrastruktur verfügen, um dieses Problem anzugehen. So werden in technologisch komplexen Recyclingprozessen Bestandteile wie Kupfer, Aluminium oder Gold zurückgewonnen.

Seltene Erden – Was ist das?

Andere Bestandteile lassen sich dagegen nicht so leicht zurückgewinnen und werden in vielen Recyclingprozessen ignoriert. Zum Beispiel die Metalle der Seltenen Erden, umgangssprachlich auch einfach Seltene Erden genannt. Sie sind in sehr geringen Mengen in Smartphones verbaut und technisch nur schwer zurückzugewinnen.

Im Falle der Metalle der Seltenen Erden ist der Name überraschenderweise nicht Programm: Anders als dieser vermuten lassen würde sind die Seltenen Erden weniger selten, als dass sie schwer abzubauen sind. Meist treten sie nicht in größeren Mengen an einer Stelle auf bzw. sind lediglich als Beimischungen in anderen Mineralien vorhanden. Daher ist ihre Gewinnung mit hohen Kosten verbunden. Insgesamt gibt es 17 Elemente der Seltenen Erden, das seltenste Element Thulium ist dabei sogar häufiger zu finden als Gold oder Platin.

Gewinnung durch große Umweltschäden

Da die Seltenen Erden nur schwer und mit großem Aufwand abgebaut werden können, bleibt die Umwelt davon leider nicht unberührt. Eine gängige Methode ist es, die Metalle durch Säure aus den Bohrlöchern zu waschen. Zurück bleibt dadurch ein vergifteter Boden, der aufgrund mancher Erze der Seltenen Erden auch radioaktive Substanzen enthalten kann. Bei falscher Absicherung besteht das Risiko, dass gefährliche Substanzen ins Grundwasser gelangen.

Neben der Gewinnung aus Bohrungsarbeiten, werden Seltene Erden auch aus dem Meeresboden gewonnen. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zum Leid vorhandener Ökosysteme. Dies lässt sich aufgrund der Lage am tiefen Meeresboden allerdings nur vermuten.

Nahaufnahme von einem Smartphone mit gesprungenem Bildschirm.

Recycling von alten Smartphones

Das amerikanische Startup Reecycle (Rare Earth Elements-Recycle) hat einen Weg gefunden, um Seltene Erdelemente von altem Elektroschrott zu trennen. Mithilfe eines Lösungsmittels gelingt es dem Unternehmen Seltene Erden zurückzugewinnen. Damit können sogar selektiv Elemente ausgewählt werden. Doch wie umweltfreundlich ist diese Methode? Das Lösungsmittel ist schwach giftig, es kann nach eigener Aussage jedoch so weit neutralisiert werden, dass die Umwelt keinen Schaden nimmt. Nicht nur ökologisch, auch finanziell lohnt sich diese Technik: Die Elemente Neodym und Dysprosium werden verstärkt recycelt. Sie finden in Hochleistungsmagneten in der Medizin und auch im Teilchenbeschleuniger des CERN in Genf Verwendung und sind damit die teuersten Metalle der Seltenen Erden.

Wenn alle an einem Strang ziehen

Schon kleine Produktionsanpassungen und der Einsatz von Recycling-Technologien in großen Konzernen wie Apple können einen wesentlichen Unterschied im Umgang mit Ressourcen machen. Jetzt kommt es darauf an, dass auch andere Technologiehersteller nachziehen, damit der Markt noch schneller wachsen kann. Doch auch das eigene Verhalten trägt einen Teil dazu bei: Die Lebensdauer von Smartphones kann durch regelmäßige Neustarts und die Schonung des Akkus verlängert werden. Auch werden ältere Smartphones von Herstellern oft im Tauschgeschäft zurückgenommen oder auf diversen Plattformen wieder aufbereitet und zu günstigeren Preisen weiterverkauft. So sparen wir nicht nur Geld, sondern ermöglichen auf lange Sicht auch das Recycling dieser kostbaren Ressourcen.

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