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Nachdenkliche Frau sitzend auf Bank mit Pflanze, Handy und Getränk
©pexels/Thirdman

Umweltpsychologie: Warum handeln wir nicht immer nachhaltig?

Wir steigen ins Flugzeug, obwohl wir wissen, dass es dem Klima schadet. Wir sehen Plastikmüll im Meer und kaufen trotzdem Getränke in Plastikflaschen. Zwischen nachhaltigem Denken und nachhaltigem Handeln klafft leider oft eine große Lücke. Wie kommt das? Die Umweltpsychologie ist auf der Suche nach Antworten.

Umweltbewusstsein in Deutschland

In einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2020 zum Thema Umweltbewusstsein geben 65 % der Befragten in Deutschland an, dass sie Umwelt- und Klimaschutz zu den wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderungen zählen. Die Umweltbewusstseinsstudie wird seit 1996 vom Umweltbundesamt durchgeführt und zeigt, dass das Problembewusstsein der Deutschen für diese Themen über die Jahre gestiegen ist. 2016 lag die Zustimmung noch bei 53 %.

Veränderungen? Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

Gewohnheiten strukturieren unseren Alltag und reduzieren Komplexität. Wenn wir vor jeder kleinen Entscheidung alle Vor- und Nachteile abwägen würden, kämen wir morgens kaum aus dem Haus. Deswegen verlassen wir uns auf angelernte Routinen aus der Vergangenheit, mit denen wir schon gute Erfahrungen gemacht haben. Genau das macht Veränderungen im eigenen Handeln so schwer, sagt auch Dr. Katharina Beyerl vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung.


Während wir alle rational wissen, dass es besser wäre, das Auto für die kurze Fahrt stehen zu lassen, bringt uns die emotionale Seite doch wieder hinters Lenkrad. In diesem Moment erscheint uns die bekannte Entscheidung als die sicherste – und genau danach sehnen sich viele Menschen. Neues verspricht zwar Verbesserung, aber wer weiß, ob die auch wirklich eintritt. 

schwarzes Schild mit Spruch Your Life Matters
©pexels/Brett Sayles

Gute Alternativen für Routinen schaffen

Ein weiteres Problem auf dem Weg zu mehr nachhaltigem Handeln: Die nachhaltigen Alternativen sind weniger bekannt und werden irrtümlich oft als teurer und komplizierter wahrgenommen als die umweltschädlichen Lösungen, die wir schon kennen. Dieses Verhältnis muss sich mit der Zeit umkehren. Und dann ist da noch der Gruppendruck. Wir denken, allein kann ich nichts ändern. Wenn alle so denken, ändert sich wirklich nichts. Wenn aber jede*r Einzelne eine tägliche Routine überdenkt und zu einer nachhaltigen Alternative wechselt, ändert sich insgesamt schon viel.


Die Umweltbewusstseinsstudie zeigt, dass sich in vielen Bereichen schon etwas getan hat. So gaben 2010 nur 8 % der Befragten an, bereits Ökostrom zu beziehen. 2018 hatte sich der Wert schon auf 38 % erhöht. Und auch bei der CO2-Kompensation von Flugreisen stieg der Wert von nur 3 % auf immerhin 13 % an.

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